Was ziehe ich zum Bewerbungsfoto an?

Das ist die Frage, die mir vor jedem Termin gestellt wird – meist am Abend vorher, per WhatsApp, mit drei Fotos vom Kleiderschrank. Hier steht die Antwort einmal ausführlich, damit Sie in Ruhe nachlesen können.
Die eine Regel, die alles andere ersetzt
Ihr Bewerbungsfoto soll nicht zeigen, dass Sie sich Mühe gegeben haben. Es soll zeigen, wie Sie an einem normalen Arbeitstag aussehen – an einem guten.
Wer sich für das Foto verkleidet, sieht auf dem Bild aus wie jemand, der sich verkleidet hat. Das merkt man, auch wenn niemand benennen kann, woran. Und es führt zu dem Moment im Vorstellungsgespräch, den niemand haben möchte: dass das Gegenüber zweimal hinschaut.
Die einzige sinnvolle Steigerung: eine Stufe formeller als Ihr Alltag, nicht drei.
Farben
Ruhige, gedeckte Farben funktionieren fast immer. Sie lenken nicht ab, und das Gesicht bleibt das Hellste im Bild – genau dorthin soll das Auge zuerst.



Sicher
- Dunkelblau, Marine, Anthrazit
- Weiß, Off-White, helles Grau
- Gedecktes Grün, Bordeaux, Camel
Schwierig
- Knalliges Rot, Neonfarben, starkes Türkis – sie übernehmen das Bild
- Reines Schwarz vor dunklem Hintergrund – der Oberkörper verschwindet, der Kopf schwebt
- Große Logos und Schriftzüge
Muster
Feine Muster sind das einzige echte technische Problem auf einem Porträt. Ein eng kariertes Hemd oder ein schmaler Nadelstreifen erzeugt im Bild ein Flimmern – ein regelmäßiges Störmuster, das sich auch nachträglich nicht sauber entfernen lässt.

Faustregel: Wenn Sie das Muster aus zwei Metern Entfernung noch als einzelne Linien erkennen, ist es zu fein.
Große, ruhige Muster sind dagegen kein Problem. Ein breiter Karo, ein grobes Fischgrätmuster, eine Struktur im Strick – das wirkt im Bild sogar interessant.
Schnitt und Passform
Das Bild endet meist auf Brusthöhe. Alles unterhalb davon ist egal – außer für Ihr eigenes Gefühl, und das sollte man nicht unterschätzen.
Worauf es ankommt:
- Der Kragen muss sitzen. Ein Kragen, der absteht oder unter dem Sakko knickt, ist der häufigste Grund, warum ein Bild unsauber aussieht. Bügeln lohnt sich genau hier.
- Die Schulternaht sitzt auf der Schulter. Nicht darüber, nicht darunter.
- Keine ausgeleierten Halsausschnitte. Sie machen die Haltung müde.
- Fusselrolle einpacken. Dunkle Stoffe zeigen alles.
Für Frauen

Blusen, Feinstrick, Blazer und Kleider mit sauberem Ausschnitt funktionieren alle. Wichtiger als der Typ des Kleidungsstücks ist der Halsausschnitt: Ein V-Ausschnitt streckt und wirkt offen, ein Rundhals wirkt ruhiger, ein Rollkragen ist stark – aber nur, wenn er nicht das Kinn verschluckt.
Schmuck: klein und wenig. Große Ohrringe ziehen den Blick vom Gesicht weg, und genau das soll nicht passieren. Eine feine Kette ist perfekt.
Haare: so, wie Sie sie normalerweise tragen. Ein frischer Schnitt sollte mindestens eine Woche alt sein.
Für Männer

Hemd mit oder ohne Sakko, Polo, Feinstrickpullover – alles möglich. Krawatte nur, wenn Sie im Job auch eine tragen würden; in den meisten Branchen wirkt sie heute eher altmodisch als seriös.
Der oberste Knopf: In Kanzlei, Bank und Versicherung geschlossen, mit Krawatte. In Handwerk, IT, Agentur und den meisten Praxen offen. Wer unsicher ist, macht beides – das kostet im Termin zwei Minuten.
Bart: gestutzt und in Form, nicht frisch rasiert am selben Morgen (Rötungen). Wer sich rasiert, tut es am Abend vorher.
Branchen
| Branche | Was passt |
|---|---|
| Kanzlei, Bank, Versicherung | Hemd/Bluse, Sakko, gedeckte Farben |
| Verwaltung, öffentlicher Dienst | Hemd/Bluse, gern ohne Sakko |
| Praxis, Pflege, Therapie | Sauberes Oberteil, freundliche Farbe, kein Kittel |
| Handwerk, Technik | Hemd oder Polo, gern das Firmenpolo |
| IT, Agentur, Start-up | Feinstrick, Hemd offen, Rundhals |
| Ausbildung, Schülerpraktikum | Einfaches Hemd oder Bluse, nichts Geliehenes |
Für eine Ausbildungsbewerbung gilt besonders: nichts tragen, was man sich für den Anlass ausgeliehen hat. Ein sauberes, einfaches Oberteil in der richtigen Größe wirkt besser als ein zu großes Sakko vom Vater.
Was Sie mitbringen sollten
- Zwei bis drei Oberteile, verschieden in Farbe oder Formalität
- Ein Ersatzhemd, falls im Auto etwas passiert
- Fusselrolle
- Nichts weiter. Schminke, Haarspray und Spiegel gibt es im Studio
Im Termin probieren wir aus. Sie sehen jedes Bild sofort am Bildschirm, und wenn das zweite Oberteil besser wirkt, wechseln wir eben. Genau dafür ist die Zeit da – ein Outfit wirkt auf dem Bild oft anders als vor dem Spiegel.
Das Outfit ist allerdings nur ein Teil. Mindestens genauso viel machen Haltung und Blick. Die meisten Menschen stehen vor der Kamera zuerst etwas steif, und mit ein paar Hinweisen zu Schultern, Kinn und Augen sieht es auf einmal natürlich aus.
Dunkler Blazer, mit Coaching
Graues Sakko, heller GrundDie letzten zwei Prozent
Was oft vergessen wird und mehr ausmacht, als man denkt:
- Schlafen. Man sieht es. Wirklich.
- Wasser trinken, am Tag davor. Man sieht auch das.
- Brille mitbringen, auch wenn Sie unsicher sind. Wer eine Brille trägt, sollte sie auf dem Bild tragen – sonst erkennt man Sie im Gespräch nicht wieder. Reflexe bekomme ich weg.
- Kontaktlinsen, falls vorhanden, als Alternative. Wir machen beides.
Und wenn es trotzdem nicht passt?
Dann tauschen wir. Sie sehen jedes Bild während des Termins, und wenn Ihnen am Ende keins gefällt, zahlen Sie nichts. In über 500 Shootings ist das noch nicht vorgekommen – aber die Zusage steht.
Häufige Fragen
Welche Farbe ist beim Bewerbungsfoto am sichersten?
Dunkelblau. Ein einfarbiges Oberteil in Dunkelblau funktioniert bei den meisten Menschen und in den meisten Branchen.
Sind Muster auf dem Bewerbungsfoto ein Problem?
Nur feine. Ein eng kariertes Hemd oder ein schmaler Nadelstreifen flimmert im Bild. Große, ruhige Muster wie ein breites Karo oder eine Strickstruktur sind kein Problem.
Soll ich meine Brille auf dem Bewerbungsfoto tragen?
Ja, wenn Sie sie im Alltag tragen – sonst erkennt man Sie im Gespräch nicht wieder. Reflexe lassen sich im Termin vermeiden.


