Ratgeber · Bewerbungsfoto

Bewerbungsfoto 2026: noch nötig?

Rechtlich freiwillig, praktisch meistens erwartet: was die Zahlen sagen und wann Sie besser darauf verzichten.

Simon RühlVonSimon RühlLesezeit3 MinutenVeröffentlicht
Bewerbungsfoto eines lächelnden Mannes im schwarzen Pullover vor grauem Hintergrund

Seit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz darf niemand ein Foto von Ihnen verlangen. Viele Ratgeber leiten daraus ab, man solle keines mehr mitschicken. Diese Schlussfolgerung ist logisch – und in der Praxis falsch.

Denn die Frage ist nicht, ob ein Foto verlangt werden darf. Die Frage ist, was passiert, wenn keines dabei ist.

Die Zahlen

Laut einer Umfrage von Indeed unter Personalverantwortlichen in Deutschland legen rund 53 Prozent weiterhin Wert auf ein Bewerbungsfoto. Etwa 19 Prozent geben an, Bewerbungen ohne Foto auszusortieren.

Das ist die relevante Zahl. Nicht „mehr als die Hälfte mag Fotos", sondern: Bei etwa jeder fünften Bewerbung entscheidet das fehlende Foto, bevor jemand gelesen hat, was Sie können.

Quelle: Indeed-Umfrage unter Personalverantwortlichen.

Warum es rechtlich nicht verlangt werden darf

Das AGG soll verhindern, dass wegen Herkunft, Geschlecht, Alter, Religion oder Behinderung benachteiligt wird. Ein Foto liefert Hinweise auf mehrere dieser Merkmale. Deshalb dürfen Unternehmen ein Foto nicht fordern, und manche größere Arbeitgeber bitten in der Stellenanzeige ausdrücklich darum, keines mitzuschicken.

Umgekehrt gilt: Sie dürfen eines mitschicken. Das ist erlaubt und üblich.

Warum es trotzdem meistens hilft

Eine Bewerbung wird zuerst gescannt, nicht gelesen. Wer fünfzig Unterlagen auf dem Tisch hat, verbringt mit der ersten Sichtung Sekunden. Ein Gesicht macht aus einem Dokument eine Person – und Personen merkt man sich.

Ein Foto beantwortet eine Frage, die sonst offenbleibt. Nicht „wie sieht die Person aus", sondern: kann ich mir vorstellen, mit ihr zu sprechen. Genau das entscheidet über eine Einladung.

In kleinen Betrieben zählt es mehr als in Konzernen. Wer vier Leute im Büro hat, stellt kein Anforderungsprofil ein, sondern einen Menschen. In der Südpfalz sind das die meisten Arbeitgeber.

Wann Sie auf ein Foto verzichten sollten

Es gibt Fälle:

  • Die Stellenanzeige bittet ausdrücklich darum. Dann ist das Weglassen kein Nachteil, sondern ein Hinweis darauf, dass Sie lesen können.
  • Anonymisierte Bewerbungsverfahren, wie sie einige Behörden und große Unternehmen nutzen. Dort wird ein Foto ohnehin entfernt.
  • Das Foto, das Sie hätten, ist schlecht. Ein unscharfes, veraltetes oder erkennbar privates Bild schadet mehr, als es hilft. Kein Foto ist besser als ein schlechtes.

Mit Foto

  • Im schlechtesten Fall Gleichgültigkeit
  • Aus dem Dokument wird eine Person

Ohne Foto

  • Bei etwa einem Fünftel der Stellen das Aus
  • Eine offene Frage mehr beim ersten Scannen

In allen anderen Fällen ist ein gutes Foto die sicherere Wahl. Mit Foto riskieren Sie im schlechtesten Fall Gleichgültigkeit; ohne Foto riskieren Sie bei einem Fünftel der Stellen das Aus.

Wie es aussehen sollte

Bewerbungsfoto einer Frau mit rotbraunen Haaren im dunklen Blazer vor grauem Hintergrund
Aktuell, beruflich, ruhiger Hintergrund, Blick in die Kamera.
  • Aktuell. Nicht älter als drei Jahre, und ohne sichtbare Veränderung seitdem.
  • Beruflich, nicht privat. Kein Urlaub, kein ausgeschnittener Gruppenschnappschuss.
  • Hochformat für Lebenslauf und Deckblatt. Quadratisch oder quer brauchen Sie zusätzlich fürs Profil.
  • Ruhiger Hintergrund, Blick in die Kamera.
  • Wie an einem guten Tag – nicht wie jemand anders.

Ein aktuelles Bild allein reicht dafür nicht. Vor der Kamera wirken die meisten zuerst etwas steif, und genau das sieht man einem schnellen Foto an. Mit etwas Zeit und Coaching zu Haltung und Blick wird daraus ein Bild, das Sie gern mitschicken.

Dieselbe Frau vor dunklem Hintergrund nach zehn Minuten CoachingNach 10 Minuten
Porträt einer Frau vor hellem Hintergrund, zu Beginn des TerminsNach 2 Minuten
Dieselbe Frau, derselbe Termin. Nach zehn Minuten sitzen die Schultern locker, der Kopf ist leicht geneigt und der Blick ist offen.

Wohin damit: oben rechts auf dem Lebenslauf oder auf einem eigenen Deckblatt. Beides ist üblich; ins Anschreiben gehört es nicht.

Und KI?

Ein generiertes Bewerbungsfoto ist erlaubt, und die Werkzeuge sind inzwischen sehr gut. Worauf Sie achten sollten – vor allem, dass Ihnen das Bild nach mehreren Durchgängen noch ähnelt –, steht in einem eigenen Artikel.

KI-Bewerbungsfoto oder Fotograf? →

Das Fazit in drei Sätzen

Ein Bewerbungsfoto ist freiwillig. Es wird trotzdem von etwa der Hälfte der Personalverantwortlichen erwartet, und etwa ein Fünftel sortiert Bewerbungen ohne Foto aus. Wer sich dagegen entscheidet, sollte es bewusst tun – und nicht, weil er keins hatte.

Ein Bewerbungsfoto kostet bei mir 99 Euro, dauert 20 Minuten und ist auf Wunsch am nächsten Tag fertig.

Häufige Fragen

Ist ein Bewerbungsfoto 2026 Pflicht?

Nein. Seit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz darf kein Arbeitgeber ein Foto verlangen. Mitschicken ist erlaubt und üblich.

Wann sollte man kein Bewerbungsfoto mitschicken?

Wenn die Stellenanzeige ausdrücklich darum bittet, bei anonymisierten Bewerbungsverfahren und wenn das vorhandene Foto unscharf, veraltet oder erkennbar privat ist.

Wohin gehört das Foto in der Bewerbung?

Oben rechts auf den Lebenslauf oder auf ein eigenes Deckblatt. Ins Anschreiben gehört es nicht.

Klickwinkel · Landau

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