Ratgeber · Bewerbungsfoto

KI-Bewerbungsfoto oder Fotograf?

KI-Porträts sind richtig gut geworden. Was sie heute können, wo die eigentliche Grenze liegt und wie Sie KI sinnvoll nutzen, wenn Sie sich dafür entscheiden.

Simon RühlVonSimon RühlLesezeit3 MinutenVeröffentlicht
Porträt einer Frau mit langen dunklen Haaren vor dunklem Hintergrund

Vorweg: Ich nutze selbst KI, auch für eigene Bilder. Wer ein KI-Porträt verwendet, macht nichts Unehrliches.

Es gibt aber ein paar Dinge, die man wissen sollte, bevor man ein generiertes Bild als Bewerbungsfoto oder Profilbild einsetzt. Die meisten davon haben weniger mit Technik zu tun als mit der Frage, wie sehr das Bild am Ende noch Sie zeigt.

Was KI heute kann

Mehr, als viele denken. Hände, Blickrichtung, Haut, Stoffe, Licht: Die aktuellen Modelle bekommen das inzwischen sehr sauber hin. Die alten Erkennungszeichen wie sechs Finger oder verschwommene Ohrringe taugen kaum noch. Ein gut gemachtes KI-Porträt sieht man auf den ersten Blick oft nicht als solches.

Ob man ein Bild als KI erkennt, ist deshalb gar nicht mehr die wichtigste Frage.

Mit jedem Durchgang ein bisschen weniger Sie

Das Gesicht bleibt bei einer KI-Bearbeitung grundsätzlich erhalten. Mit jedem Durchgang verschiebt sich aber etwas: Die Ohren sitzen minimal anders, die Nase wird etwas gerader, die Augen etwas größer oder symmetrischer. Einzeln fällt das kaum auf.

Als grobe Faustregel aus meinen eigenen Versuchen:

DurchgangWie sehr sieht das Ergebnis noch nach Ihnen aus?
1etwa 98 %
2etwa 95 %
3etwa 88 %
nach einigen weiterenetwa 75 %

Das Tückische daran: Sie selbst merken es am wenigsten, weil Sie Ihr Gesicht vor allem aus dem Spiegel kennen. Wer Sie gut kennt, merkt es sofort. Und wer Sie im Vorstellungsgespräch zum ersten Mal sieht, gleicht unbewusst mit dem Bild ab.

Wenn KI, dann so

Es gibt zwei Arten von Werkzeugen, und für ein Porträt würde ich klar zur ersten raten.

Gemini oder ChatGPT mit einem fast guten Foto. Sie nehmen ein echtes Bild, auf dem Sie sich schon gefallen, und lassen nur wenig verändern: den Hintergrund ruhiger, das Licht weicher, den Kragen gerade. Weil die KI hier nur nachbessert, bleibt Ihr Gesicht weitgehend Ihres.

Werkzeuge, die aus 20 Selfies neue Bilder erzeugen. Sie lernen aus Ihren Fotos, wie Sie ungefähr aussehen, und erzeugen daraus ein Gesicht von Grund auf neu. Das Ergebnis sieht oft glatt und beeindruckend aus – zeigt aber eine Person, die Ihnen ähnelt. Genau dort liegen die 75 %.

Eher so

  • Ein echtes, schon fast gutes Foto als Grundlage
  • Wenig ändern: Hintergrund, Licht, Kragen
  • Nach ein, zwei Durchgängen aufhören

Eher nicht

  • Ein ganz neues Gesicht aus vielen Selfies
  • Viele Durchgänge hintereinander
  • Frisur, Kleidung und Gesicht auf einmal ändern

Wofür ich KI nie nehmen würde: Personal Branding

Bei Personal Branding geht es nicht um ein Bild, sondern um viele: in verschiedenen Outfits, vor verschiedenen Hintergründen, an verschiedenen Orten. Jedes davon wäre eine eigene Generierung, und jedes weicht auf seine eigene Art ab. Auf der Website, bei LinkedIn und im Pressetext nebeneinander sehen Sie dann jedes Mal ein bisschen anders aus.

Dazu kommt: Personal Branding soll Vertrauen aufbauen, bevor man sich begegnet. Das funktioniert nur, wenn die Begegnung das Bild bestätigt.

Was ein Shooting kann, das KI nicht kann

Eine KI arbeitet mit dem, was Sie ihr geben. Wenn Sie auf Ihren Selfies etwas steif schauen, wird die KI diese Steifheit sehr schön ausleuchten.

Im Shooting arbeiten wir an genau dieser Stelle. Posing klingt erst einmal gestellt, ist aber das Gegenteil: Die meisten Menschen wirken vor der Kamera zunächst unnatürlich, und kleine Korrekturen an Schultern, Kopfhaltung und Blick sorgen dafür, dass es natürlich aussieht. Nach über 500 Porträts weiß ich, welche Handgriffe bei wem wirken.

Dieselbe Frau vor dunklem Hintergrund nach zehn Minuten CoachingNach 10 Minuten
Porträt einer Frau vor hellem Hintergrund, zu Beginn des TerminsNach 2 Minuten
Dieselbe Frau, derselbe Termin. Eine KI bekäme von ihr die Version links als Vorlage – das Bild rechts entsteht durch Coaching, Haltung und einen Blick, der nicht mehr aufpasst.

Und dann ist da das Erlebnis selbst. Viele gehen aus meinem Studio und sagen, sie hätten nicht gewusst, dass sie so aussehen können. Dieses Gefühl nimmt man mit, ins nächste Gespräch und in den nächsten Termin. Ein generiertes Bild kann das nicht geben, weil Sie wissen, dass es nicht ganz Sie ist.

Und rechtlich?

Ein KI-Bewerbungsfoto ist erlaubt, es gibt keine Vorschrift, die ein fotografiertes Bild verlangt. Es sollte Sie aber so zeigen, wie Sie aussehen. Einige Unternehmen bitten inzwischen ausdrücklich darum, keine generierten Bilder einzureichen – ein Blick in die Stellenanzeige lohnt sich.

Meine Empfehlung

Ihre LageWas ich raten würde
Ausbildung, erste Bewerbung, wenig BudgetKI ist in Ordnung. Nehmen Sie ein gutes Handyfoto als Grundlage und ändern Sie wenig.
Bewerbung auf eine Stelle, die Sie wirklich wollenEin Porträt mit Coaching. Das Bild wird im Gespräch mit Ihnen verglichen.
LinkedIn, beruflich sichtbarEin Porträt mit Coaching. Das Bild steht dort Jahre.
Personal Branding, viele BilderKeine KI. Über mehrere Bilder sehen Sie jedes Mal etwas anders aus.

Häufige Fragen

Ist ein KI-Bewerbungsfoto erlaubt?

Ja. Es gibt keine Vorschrift, die ein fotografiertes Bild verlangt. Es sollte Sie aber so zeigen, wie Sie aussehen, und manche Unternehmen bitten ausdrücklich darum, keine KI-Bilder einzureichen.

Welches KI-Werkzeug eignet sich für ein Bewerbungsfoto?

Am ehesten Gemini oder ChatGPT mit einem echten, schon fast guten Foto als Grundlage. Dabei wird nur nachgebessert, und Ihr Gesicht bleibt weitgehend erhalten. Werkzeuge, die aus vielen Selfies ein neues Gesicht erzeugen, weichen stärker von Ihnen ab.

Woran erkennt man ein KI-Bewerbungsfoto?

Immer schwerer – Hände, Haut und Licht sind inzwischen sehr gut. Am ehesten fällt es auf, wenn man die Person kennt oder ihr gegenübersitzt: Ohren, Nase und Augen weichen nach mehreren Durchgängen leicht ab.

Klickwinkel · Landau

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